Brennstoffstufen 2029 bis 2040: Was Eigentümer beim Heizungstausch wissen müssen
Veröffentlicht am 11.10.2026
Wer in den kommenden Jahren eine neue Heizung einbauen lässt, hört immer wieder von sogenannten Brennstoffstufen. Der Begriff klingt technisch, betrifft aber ganz praktisch die Frage, welchen Brennstoff eine neu eingebaute Gas-, Öl- oder Flüssiggasheizung im Bestand ab wann anteilig nutzen muss. Seit dem 29.07.2026 gilt dafür das Gebäudemodernisierungsgesetz, kurz GModG, das die frühere pauschale Pflicht zu 65 Prozent erneuerbarer Energien abgelöst hat.
Dieser Ratgeber erklärt, was die Brennstoffstufen 2029 bis 2040 bedeuten, für wen sie überhaupt relevant sind und was ausdrücklich nicht gilt. Da es sich um eine komplexe rechtliche Materie handelt, ersetzt dieser Text keine Rechtsberatung. Für die Einschätzung Ihrer konkreten Situation empfiehlt sich der Austausch mit einem Fachbetrieb für Heizungstechnik, der die aktuelle Rechtslage und die technischen Möglichkeiten für Ihr Gebäude kennt.
Was das GModG an der bisherigen Pflicht ändert
Das Gebäudeenergiegesetz hatte ursprünglich vorgesehen, dass neu eingebaute Heizungen zu einem festen Anteil mit erneuerbaren Energien betrieben werden müssen. Diese starre 65-Prozent-Regel gibt es seit Inkrafttreten des GModG nicht mehr in dieser Form. Stattdessen setzt der Gesetzgeber bei bestimmten fossilen Heizungen auf eine stufenweise steigende Quote an klimafreundlicheren Brennstoffen, die über mehrere Jahre hinweg ansteigt.
Der Unterschied ist wichtig: Es geht nicht mehr um eine einmalige Erfüllung bei der Inbetriebnahme, sondern um einen Pfad, der sich über Jahrzehnte erstreckt. Eigentümer, die sich für eine neue Gas- oder Ölheizung entscheiden, müssen sich also mit einer Entwicklung auseinandersetzen, die erst 2029 beginnt und sich bis 2040 fortsetzt.
Für wen die Brennstoffstufen überhaupt gelten
Die Brennstoffstufen betreffen nicht jede Heizung im Bestand. Relevant sind sie ausschließlich für Gas-, Öl- und Flüssiggasheizungen, die nach dem 29.07.2026 neu in ein Bestandsgebäude eingebaut werden. Wer bereits vor diesem Stichtag eine solche Heizung installiert hat, fällt nicht unter diese Regelung.
Auch für Neubauten gelten andere Vorgaben, die hier nicht behandelt werden. Entscheidend ist also der Zeitpunkt des Einbaus und die Art des Gebäudes. Wenn Sie aktuell über den Austausch Ihrer alten Heizung nachdenken und sich für ein fossiles System entscheiden, sollten Sie diesen zeitlichen Zusammenhang mit Ihrem Fachbetrieb genau klären, da er über die spätere Betroffenheit entscheidet.
Die Stufen im Überblick: 2029 bis 2040
Für betroffene Heizungen steigt der Anteil der Wärme, der aus gesetzlich zugelassenen klimafreundlicheren Energieträgern stammen muss, in festen Schritten:
- Ab 2029 müssen mindestens 10 Prozent der bereitgestellten Wärme aus zugelassenen klimafreundlicheren Energieträgern stammen.
- Ab 2030 steigt dieser Anteil auf 15 Prozent.
- Ab 2035 sind es 30 Prozent.
- Ab 2040 müssen 60 Prozent erreicht werden.
Diese Prozentsätze beziehen sich auf die tatsächlich bereitgestellte Wärmemenge, nicht auf eine technische Bauteilvorschrift. Das bedeutet, dass die Heizung selbst nicht zwingend ausgetauscht werden muss, solange der geforderte Anteil über den jeweils gültigen Brennstoff nachgewiesen werden kann. Wie dieser Nachweis im Detail geführt wird, hängt von den gesetzlichen Vorgaben und den zugelassenen Nachweisverfahren ab, die sich im Zeitverlauf noch konkretisieren können.
Welche Brennstoffe als klimafreundlicher gelten
Als klimafreundlichere Energieträger kommen grundsätzlich Brennstoffe infrage, die im Vergleich zu klassischem Erdgas oder Heizöl einen geringeren fossilen Anteil aufweisen. Dazu zählen beispielsweise Biomethan, bestimmte biogene Heizöle oder grüner Wasserstoff, sofern diese gesetzlich als zulässig anerkannt sind. Welche konkreten Brennstoffe und Nachweisformen im jeweiligen Jahr anerkannt werden, legen die zuständigen Stellen fest.
Für Sie als Eigentümer ist entscheidend, dass Sie sich nicht allein auf allgemeine Aussagen verlassen, sondern sich von Ihrem Fachbetrieb bestätigen lassen, welche Brennstoffe für Ihre konkrete Heizung und Ihren Standort infrage kommen. Auch die Verfügbarkeit solcher Brennstoffe vor Ort spielt eine Rolle, die regional sehr unterschiedlich ausfallen kann.
Alternative Erfüllungswege
Das GModG sieht neben dem direkten Nachweis eines bestimmten Brennstoffanteils auch alternative Erfüllungswege vor. Das kann etwa bedeuten, dass der Nachweis über Lieferverträge mit entsprechenden Anbietern erfolgt oder über andere gesetzlich anerkannte Mechanismen, die eine rechnerische Zuordnung ermöglichen. Die genaue Ausgestaltung dieser Wege ist komplex und sollte im Einzelfall mit einem Fachbetrieb und gegebenenfalls einer rechtlichen Beratung geklärt werden.
Wichtig ist, dass diese Flexibilität Eigentümern mehr Spielraum gibt, als es eine starre Bauteilvorschrift tun würde. Gleichzeitig bedeutet das aber auch, dass Sie sich frühzeitig informieren sollten, welcher Weg für Ihr Gebäude praktisch und langfristig sinnvoll ist.
Was ausdrücklich nicht mehr gilt
Einige Missverständnisse halten sich hartnäckig, deshalb hier eine klare Einordnung: Es gibt keine pauschale 65-Prozent-Pflicht zu erneuerbaren Energien mehr, wie sie früher vorgesehen war. Die kommunale Wärmeplanung einer Gemeinde löst für sich genommen ebenfalls keine solche Pflicht aus, auch wenn sie für die langfristige Planung Ihres Wärmenetzanschlusses relevant sein kann.
Ebenso besteht keine allgemeine Austauschpflicht für Heizungen allein aufgrund des Kesselalters. Das bedeutet nicht, dass eine alte Heizung grenzenlos weiterbetrieben werden darf: Andere Vorschriften, etwa zu Sicherheit, Wartung oder Emissionen, können weiterhin gelten und im Einzelfall einen Austausch erforderlich machen. Lassen Sie sich hierzu von Ihrem Schornsteinfeger oder Fachbetrieb beraten.
Förderung beim Heizungstausch
Die Bundesförderung für effiziente Gebäude, kurz BEG, unterstützt bestimmte klimafreundliche Heiztechniken sowie den Anschluss an Wärmenetze. Eine konventionelle fossile Gas- oder Ölheizung wird als eigenständige Heizungsmaßnahme nicht bezuschusst. Welche Fördersätze und Bedingungen im Einzelnen gelten, legen BAFA und KfW fest, und diese Konditionen können sich ändern.
Ein Rechtsanspruch auf Förderung besteht nicht. Auch die Reihenfolge von Antragstellung und Beauftragung eines Fachbetriebs ist programmabhängig und sollte vor Vertragsabschluss genau geprüft werden, um keine Fördermöglichkeit zu verlieren. Fragen Sie bei Ihrem Fachbetrieb und bei der zuständigen Förderstelle nach dem aktuellen Stand, bevor Sie eine Entscheidung treffen.
Praktische Schritte für Eigentümer
Wenn Sie aktuell über eine neue Heizung nachdenken, lohnt sich ein strukturiertes Vorgehen. Prüfen Sie zunächst, ob für Ihr Gebäude überhaupt eine Alternative zu Gas oder Öl infrage kommt, etwa eine Wärmepumpe, eine Pelletheizung oder ein Hybridsystem. Lassen Sie sich die technischen Voraussetzungen und den baulichen Aufwand von mehreren Fachbetrieben erklären.
Entscheiden Sie sich dennoch für eine fossile Heizung, sollten Sie sich bereits beim Einbau über die künftigen Brennstoffstufen informieren und klären, welche Brennstoffe regional verfügbar sein werden. Kosten für Umbau, Brennstoffwechsel oder Nachrüstung lassen sich pauschal nicht beziffern, da sie je nach Gebäude, Heizlast und gewähltem System stark variieren. Verlässliche Zahlen liefert nur ein Vergleich mehrerer konkreter Angebote von Fachbetrieben vor Ort.
Fazit
Die Brennstoffstufen 2029 bis 2040 ersetzen die frühere starre 65-Prozent-Pflicht durch ein gestuftes System, das ausschließlich für bestimmte neu eingebaute Gas-, Öl- und Flüssiggasheizungen im Bestand nach dem 29.07.2026 gilt. Eigentümer, die heute eine Heizungsentscheidung treffen, sollten diese langfristige Entwicklung mitdenken, auch wenn kurzfristig keine Pflicht zum sofortigen Austausch besteht. Eine unverbindliche Anfrage bei mehreren Fachbetrieben hilft dabei, die für Ihr Gebäude passende Lösung zu finden und die aktuelle Rechtslage korrekt einzuordnen.